Die Nasenchirurgie befindet sich im steten Wandel. Ein entscheidender Paradigmenwechsel der letzten Jahre ist der Übergang von der strukturellen zur erhaltenden Nasenkorrektur (Preservation Rhinoplasty).
Im Gegensatz zu klassischen Methoden bleiben hierbei die wichtigsten anatomischen Strukturen, insbesondere am Nasenrücken, intakt. Ästhetische Veränderungen werden primär durch die präzise Verlagerung von Knochen und Knorpel erreicht – für ein natürlicheres und stabileres Ergebnis.
Nasenrückenerhalt
Die Anatomie ist komplex
Der Nasenrücken besteht aus Knochen und Knorpel, die von Bindegewebe, Fett und Haut bedeckt sind. Je nach individueller Anatomie und Ausprägung eines Nasenhöckers ist die Korrektur unterschiedlich anspruchsvoll. Besonders ausgeprägte Höcker erschweren den Eingriff, während leichte, langgezogene Bögen meist einfacher zu korrigieren sind.
Getragen wird der Nasenrücken von der Nasenscheidewand. Verletzungen in der Kindheit können zu einer Schiefstellung von Nasenscheidewand und Nasenrücken führen und die Korrektur zusätzlich erschweren. Schiefnasen zählen daher zu den anspruchsvollsten ästhetischen Nasenkorrekturen.
Begradigung des Nasenrückens – klassisch
Bei der klassischen Nasenkorrektur wird der Nasenrücken durch Abtragen des Knochens begradigt. Dabei werden natürliche Strukturen gelöst und anschließend rekonstruiert, um Form und Stabilität wiederherzustellen.
Besondere Bedeutung hat die innere Nasenklappe, damit die Nasenatmung erhalten bleibt.
Bei ausgeprägten Schiefnasen ist diese Methode oft schwieriger und weniger zuverlässig, da es während der Heilung zu einer erneuten Schiefstellung kommen kann.
Die klassische Technik wird weiterhin häufig angewendet und ist in manchen Fällen notwendig. Allerdings ist das Risiko sichtbarer ästhetisch ungünstiger Veränderungen höher.
Nasenrückenerhalt
Mit der Neuentdeckung der Technik des Nasenrückenerhalts kann man seit wenigen Jahren nun viel von der natürlichen Anatomie erhalten. Diese Technik ist eigentlich schon vor Jahrzehnten etabliert worden, aufgrund der damals eingeschränkten technischen Möglichkeiten und auch durch den starken Einfluss anderer Methoden aber wieder in Vergessenheit geraten.
Der Trick dabei ist, dass der Höcker nicht abgetragen sondern in die Gesichtsebene verlagert wird. Die knöchern-knorpelige Oberfläche bleibt also intakt; das Gewölbe und die stabile Verbindung von Knochen und Knorpel erhalten. Nicht nur aus ästhetischer Sicht ist das ein entscheidender Vorteil – sondern auch aus funktioneller.
Die Technik des Nasenrückenerhalts
Erreicht wird die Verlagerung, indem an den beiden Seiten des knöchernen Nasenrückens auf Höhe der Gesichtsebene ein mehr oder weniger breiter Streifen aus Knochen und gleichzeitig ein feiner Streifen aus Knorpel direkt unterhalb des Nasenrückens an der Nasenscheidewand entfernt wird. Die dadurch entstehenden Lücken geben den Platz frei, um den Nasenrücken in die Gesichtsebene zu verlagern.
Man stelle sich als Beispiel einen Stapel Zeitungen vor, bei dem die unteren entnommen werden. Die obersten bleiben, wie sie vorher lagen. Man reduziert also die Stapelhöhe nicht von oben, sondern von unten.
Wenig Schmerzen, Hämatome und Schwellung
Neben deutlich weniger Schmerzen kommt es auch zu deutlich geringeren Schwellungen und sehr geringen Hämatomen um die Augen. Die Wundheilung verläuft schneller. Auch aus funktioneller Sicht ist der Nasenrückenerhalt zu bevorzugen. Denn der Fluss der Luft durch die Nase ist nun einmal an die anatomischen Verhältnisse gebunden. Je mehr eigene Anatomie erhalten wird, desto besser.
Spezialfall Schiefnase
Ein Spezialfall sind Schiefnasen, bei denen der Nasenrücken in sich gerade ist, die gesamte Nase zur senkrechten Achse aber mit einem mehr oder weniger großen Winkel abweicht. Gerade mit dieser Technik lassen sich hervorragende Ergebnisse erzielen.
Der Nasenrücken wird dabei von der Gesichtsebene gelöst und im Gesamten zur jeweiligen Seite verlagert (engl. „Push Over“). Die Nase wird also auf die Gesichtsachse gestellt. Die Nasenpyramide ist weiterhin in sich stabil und kann den Zugkräften im Rahmen der Wundheilung deutlich besser widerstehen.